Die mit hochverarbeiteten Lebensmitteln verbundenen Risiken lassen sich nicht auf eine einzige Ursache zurückführen. Ihre Auswirkungen auf die Gesundheit beruhen auf einer Reihe miteinander verknüpfter Mechanismen. Im Folgenden werden die wichtigsten Mechanismen vorgestellt.
Eine unausgewogene Nährstoffzusammensetzung
Hochverarbeitete Lebensmittel weisen in der Regel ein ungünstiges Nährstoffprofil auf. Sie enthalten viel Zucker, Salz und Fett, sind jedoch arm an Ballaststoffen, Vitaminen, Mineralstoffen und bioaktiven Verbindungen wie Polyphenolen1. Man spricht von „leeren Kalorien“: viele Kalorien, aber nur wenige für den Körper nützliche Nährstoffe2,3.
Die Zahlen bestätigen dies: Eine 2024 in The Lancet veröffentlichte Studie zeigt, dass zwei Drittel der hochverarbeiteten Lebensmittel zugleich ein ungünstiges Nährstoffprofil aufweisen und zu hohe Mengen an gesättigten Fettsäuren, Salz oder Zucker enthalten4. Ähnlich verhält es sich in den USA: Dort stammen fast 90 % der konsumierten zugesetzten Zucker aus hochverarbeiteten Lebensmitteln5.
Zucker wird dabei gezielt zugesetzt, auch in salzigen Produkten, um den Bliss Point zu erreichen, jenes Maß an sensorischem Genuss, das dazu anregt, mehr zu konsumieren. Eine US-amerikanische Studie mit mehr als 200.000 Produkten bestätigt dies: Selbst in Lebensmitteln, die man nicht spontan mit Zucker in Verbindung bringt, machen zugesetzte Zucker einen beträchtlichen Anteil der Kalorien aus, nämlich 2,9 % bei industriell hergestellten Pizzen, 4,4 % bei Sandwiches und Hamburgern sowie bis zu 10 % bei Saucen5.
Doch die ungünstige Nährstoffzusammensetzung erklärt nicht alles. Darin liegt eine der wichtigsten Erkenntnisse der neueren Forschung: Die negativen Auswirkungen hochverarbeiteter Lebensmittel bleiben selbst dann bestehen, wenn diese ein insgesamt günstiges Nährstoffprofil aufweisen6,7.
Die Zerstörung der Lebensmittelmatrix
Stellen wir uns eine Perlenkette vor. Die Perlen stehen für die natürlichen Bestandteile eines Lebensmittels: Zucker, Fette, Proteine, Ballaststoffe, Vitamine und vieles mehr. Der Faden hingegen hält sie zusammen und ordnet sie an: Er steht für ihre natürliche Struktur. Mit dieser Metapher beschreibt der Forscher Anthony Fardet die sogenannte Lebensmittelmatrix8. In einem Apfel, einer Handvoll Mandeln oder einem Ei ist dieser Faden intakt: Alles ist auf natürliche Weise miteinander verbunden und organisiert.
Bei der Herstellung eines hochverarbeiteten Lebensmittels wird dieser Faden durchtrennt. Industrielle Verfahren zerlegen die Lebensmittel, isolieren ihre einzelnen Bestandteile und versuchen anschließend, den Faden mithilfe von Zusatzstoffen wie Verdickungsmitteln, modifizierten Stärken oder Emulgatoren künstlich wiederherzustellen. Das Ergebnis sieht zwar wie ein Lebensmittel aus und besitzt dank zugesetzter Aromen und Farbstoffe manchmal sogar denselben Geschmack und dieselbe Farbe, doch seine natürliche Struktur ist verloren gegangen9.
Dabei ist diese Struktur von entscheidender Bedeutung. Anthony Fardet bringt es so auf den Punkt: „Die Matrix bestimmt, und die Nährstoffe folgen ihr.“ Nehmen wir das Beispiel einer Erdbeere: Sie enthält Vitamin C, das mit ihren Ballaststoffen, ihren natürlichen Zuckern und den zahlreichen weiteren Verbindungen in der Frucht interagiert. Diese Synergie ist es, die die positiven Wirkungen hervorbringt. Wird Vitamin C hingegen isoliert und einem industriell hergestellten Produkt zugesetzt, geht diese Synergie verloren. Der Nährstoff erscheint zwar weiterhin auf dem Etikett, hat jedoch einen großen Teil seiner positiven Wirkung eingebüßt. Der Effekt kann sich sogar umkehren: Isoliert und in hoher Dosierung kann Vitamin C prooxidativ wirken. Das bedeutet, dass es die Zellen nicht mehr schützt, sondern unter Umständen sogar zu ihrer Schädigung beitragen kann10.
Um zu verstehen, warum die Lebensmittelmatrix so wichtig ist, lohnt sich ein Blick auf unsere Verdauungsenzyme. Man kann sie sich wie kleine Pac-Men vorstellen, jene Videospiel-Figuren, die alles verschlingen, was ihnen in den Weg kommt. Ihre Aufgabe besteht darin, die Nahrung zu zerlegen, um die enthaltenen Nährstoffe freizusetzen und Energie verfügbar zu machen. Bevor sie jedoch an die Nährstoffe gelangen können, müssen sie zunächst die Struktur des Lebensmittels durchqueren. Ist die Matrix intakt, sind die Nährstoffe im Inneren dichter faseriger und zellulärer Strukturen gut geschützt11.
Doch unsere kleinen Pac-Men, also die Enzyme, haben eine biologische Grenze: Sie sind nicht in der Lage, die in der Matrix enthaltenen Ballaststoffe zu verdauen. Diese Ballaststoffe wirken wie unzerstörbare Wände eines Labyrinths. Die Enzyme können sie nicht durchdringen, sondern müssen sie umgehen. Das Ergebnis: Sie kommen nur langsam voran, suchen ihren Weg und müssen hart arbeiten, bevor sie die Nährstoffe erreichen. Die Energie wird dadurch nach und nach im Verlauf der Verdauung freigesetzt12.
Wird die Matrix jedoch zerstört, liegen die Nährstoffe bereits frei. Die Enzyme können deutlich schneller und nahezu mühelos auf sie zugreifen, was zu einem starken Zustrom von Energie in den Organismus führt, insbesondere in Form von Zucker und Fett. Bei Zucker äußert sich dies in einem starken Anstieg des Blutzuckerspiegels, also einem plötzlichen Anstieg des Blutzuckerspiegels13. Mit anderen Worten: Durch die Ultra-Verarbeitung wird die Nahrung bereits vorverdaut, noch bevor wir überhaupt zu essen beginnen.
Ein gutes Beispiel dafür sind Reiswaffeln. Wenn wir gekochten Reis essen, bleibt die Struktur des Korns weitgehend erhalten, insbesondere bei Vollkornreis: Unsere Enzyme müssen arbeiten, um an die Kohlenhydrate zu gelangen. Bei einer Reiswaffel hingegen wurde diese Struktur durch die Verarbeitung vollständig zerstört. Die Kohlenhydrate sind dadurch deutlich schneller verfügbar, was zu einem schnelleren und stärkeren Anstieg des Blutzuckerspiegels führt14,15.
Die Zerstörung der Matrix hat noch einen weiteren, weniger offensichtlichen, aber ebenso wichtigen Effekt: Sie verringert den Kauaufwand erheblich. Eine feste und komplexe Matrix zwingt uns ganz natürlich zum Kauen. Hochverarbeitete Lebensmittel hingegen gelangen aufgrund ihrer zerstörten Struktur bereits weich, flüssig oder stark aufgelockert auf unseren Teller. Es gibt kaum noch etwas, das wirklich gekaut werden muss. Sie lassen sich schnell und mühelos essen16.
Dabei ist Kauen entscheidend für das Sättigungsgefühl. Je mehr wir kauen, desto stärker registriert das Gehirn, dass eine Mahlzeit stattfindet, und beginnt, Sättigungssignale auszusenden. Bis diese Signale ankommen, vergehen etwa zwanzig Minuten17. Bei hochverarbeiteten Lebensmitteln, die oft innerhalb weniger Minuten verzehrt werden, nehmen wir jedoch bereits eine große Menge an Kalorien auf, bevor überhaupt ein Sättigungsgefühl einsetzt18.
Das erklärt, warum es nahezu unmöglich erscheint, innerhalb weniger Minuten drei Äpfel zu essen, während ein großes Glas Apfelsaft problemlos getrunken werden kann. Der Apfel besitzt seine Matrix noch: Er muss gekaut werden und sättigt. Apfelsaft hingegen hat kaum noch eine Matrix: Er gleitet praktisch ohne Widerstand hinunter19. Diese Mechanismen könnten unter anderem dazu beitragen, dass Ernährungsweisen mit einem hohen Anteil an hochverarbeiteten Lebensmitteln zu einer höheren Kalorienaufnahme führen20.
Eine 2018 veröffentlichte Studie liefert eine weitere Erklärung: Das menschliche Gehirn ist nicht in der Lage, die Kaloriendichte von Lebensmitteln richtig einzuschätzen, wenn diese gleichzeitig viel Fett und viele Kohlenhydrate enthalten – eine Kombination, die in hochverarbeiteten Lebensmitteln sehr häufig vorkommt, in der Natur jedoch kaum anzutreffen ist. Bei einem hochverarbeiteten Lebensmittel kann das Gehirn schlicht nicht zuverlässig einschätzen, wie viel Energie gerade aufgenommen wurde. Dadurch wird das Sättigungsgefühl erheblich gestört21.
Zusatzstoffe mit bedenklichen Auswirkungen
Hochverarbeitete Lebensmittel enthalten in der Regel zahlreiche sogenannte „kosmetische“ Zusatzstoffe, die von den Herstellern eingesetzt werden, um ihre Produkte attraktiver, schmackhafter und angenehmer im Mund zu machen. Diese Stoffe sind alles andere als unbedenklich und lassen sich in verschiedene Kategorien einteilen, die jeweils bedenkliche Auswirkungen auf den Organismus haben können.
Farbstoffe, die unsere Wahrnehmung beeinflussen
Wir fühlen uns von Natur aus von farbenfrohen Lebensmitteln angezogen, und die Hersteller haben dies längst erkannt. Künstliche Farbstoffe werden daher häufig eingesetzt, insbesondere in Produkten für Kinder, um sie attraktiver zu machen und den Konsum zu fördern. Farben beeinflussen jedoch direkt unsere Emotionen: Kräftige Farbtöne können bereits in jungen Jahren eine emotionale Bindung an bestimmte Produkte fördern und dadurch die späteren Lebensmittelpräferenzen nachhaltig prägen22.
Die Farbe beeinflusst sogar unsere Geschmackswahrnehmung. In einer Studie wurden einem Getränk mit Kirschgeschmack unterschiedliche Farbstoffe zugesetzt. War das Getränk orange gefärbt, gaben fast 20 % der Teilnehmenden an, es schmecke nach Orange. War es grün gefärbt, gaben 26 % der Teilnehmenden an, es schmecke nach Limette23.
Darüber hinaus zeigen mehrere Studien einen Zusammenhang zwischen dem Konsum künstlicher Farbstoffe und einer Zunahme von Hyperaktivität oder Aufmerksamkeitsstörungen (ADHS) bei Kindern24-26.
Geschmacksverstärker, die die Sättigungsmechanismen stören
Geschmacksverstärker werden eingesetzt, um den Geschmack zu intensivieren und Lebensmittel appetitlicher zu machen. Der bekannteste ist Mononatriumglutamat (MSG), das für den Umami-Geschmack verantwortlich ist, der manchmal auch als „fünfte Geschmacksrichtung“ bezeichnet wird. Umami kommt natürlicherweise vor: Es entsteht durch Glutamat, eine Aminosäure, die beispielsweise in Parmesan oder Algen enthalten ist. Biologisch gesehen sendet dieser Geschmack ein Signal an unseren Körper: Er kündigt an, dass Proteine im Magen ankommen werden.
Das Problem ist, dass künstlich zugesetztes Glutamat in Chips oder Fertiggerichten genau dasselbe Signal aussendet, ohne dass die Proteine folgen. Das Gehirn erwartet etwas, das nie eintrifft. Die Folge: Das Sättigungssignal wird nicht richtig aktiviert, die Hormone geraten aus dem Gleichgewicht, und wir essen weiter, ohne wirklich zu verstehen, warum27.
Texturgeber, die das Darmmikrobiom beeinträchtigen
Verdickungsmittel, Emulgatoren, Geliermittel … Diese Zusatzstoffe verändern die Textur von Lebensmitteln, um sie weicher, zarter und angenehmer im Mund zu machen. Dadurch verringern sie den Kauaufwand und stören, wie bereits beschrieben, die Sättigungssignale.
Doch ihre Auswirkungen gehen noch weiter. Studien deuten darauf hin, dass diese Zusatzstoffe das Darmmikrobiom, einen für die menschliche Gesundheit zentralen und noch immer weitgehend unterschätzten Pfeiler, aus dem Gleichgewicht bringen könnten. Zudem könnten sie die Durchlässigkeit des Darms erhöhen, sodass Toxine und Mikroorganismen in den Blutkreislauf gelangen, die dort nichts zu suchen haben28-32.
Süßstoffe, die unsere Blutzuckerregulation stören
Intensive Süßstoffe wie Aspartam, Sucralose oder Acesulfam-K galten vor einigen Jahrzehnten als Wundermittel: Sie ermöglichen einen süßen Geschmack, ohne Kalorien zu liefern. Heute weist jedoch eine wachsende Zahl von Studien auf ihre potenziell bedenklichen Auswirkungen auf die Gesundheit hin (siehe unsere Untersuchung zu Aspartam).
Diese Substanzen aktivieren die Rezeptoren für den süßen Geschmack auf der Zunge, genau wie Zucker. Und genau darin liegt das Problem: Sie täuschen den Organismus. Nimmt der Körper einen süßen Geschmack wahr, bereitet er sich auf die Aufnahme von Zucker vor und schüttet Insulin aus, obwohl tatsächlich kein Zucker ankommt. Wiederholt sich dieser Mechanismus über längere Zeit, könnte er die Entstehung einer Insulinresistenz begünstigen, einem häufigen Vorläufer von Typ-2-Diabetes33,34. Einige Forschende gehen noch weiter und vermuten, dass diese Substanzen sogar zur weltweiten Adipositas-Epidemie beitragen könnten, ein Paradox für Stoffe, die lange als Helfer beim Abnehmen präsentiert wurden35-37.
Mehrere Studien haben zudem einen Zusammenhang zwischen dem regelmäßigen Konsum von Süßstoffen und einem erhöhten Risiko für bestimmte Krebsarten festgestellt. Im Fall von Aspartam weisen Studien aus dem Jahr 2022 auf ein erhöhtes Risiko bereits ab einer halben Dose Softdrink pro Tag38. Im Jahr 2023 wurde Aspartam von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) als möglicherweise krebserregend für den Menschen (Gruppe 2B) eingestuft39.
Der Cocktail-Effekt: Wenn sich Risiken gegenseitig verstärken
Hochverarbeitete Lebensmittel enthalten nur selten einen einzigen Zusatzstoff. Tatsächlich bestehen sie häufig aus einem regelrechten „Cocktail“ verschiedener Substanzen. Die Sicherheit von Zusatzstoffen wird jedoch überwiegend einzeln bewertet, ohne mögliche Wechselwirkungen zwischen ihnen zu berücksichtigen.
Genau das wollten Forschende in einer 2025 veröffentlichten Studie untersuchen40. Sie rekonstruierten verschiedene Zusatzstoffmischungen, die den Kombinationen in alltäglichen Produkten ähneln, und beobachteten anschließend deren Auswirkungen auf menschliche Zellen. Das Ergebnis: Einige Zusatzstoffe, die für sich genommen keine toxischen Wirkungen zeigen, können problematisch werden, wenn sie mit anderen kombiniert werden41.
Genau darin liegt die zentrale Herausforderung: Im Alltag sind wir diesen Kombinationen jeden Tag ausgesetzt, manchmal sogar bei jeder Mahlzeit. Dennoch sind die Auswirkungen dieser Stoffgemische noch immer unzureichend erforscht.
Das Vorkommen von Kontaminanten
Hochverarbeitete Lebensmittel können uns zudem unerwünschten Substanzen aussetzen, die als Kontaminanten bezeichnet werden. Diese können entweder während industrieller Verarbeitungsprozesse entstehen oder durch den Kontakt mit Verpackungsmaterialien in die Lebensmittel gelangen.
Kontaminanten aus industriellen Verarbeitungsprozessen
Bestimmte Verfahren, insbesondere Garprozesse bei hohen Temperaturen (Räuchern, Frittieren, Grillen usw.), begünstigen die Bildung sogenannter prozessbedingt gebildeter Verbindungen42. Diese Verfahren verleihen Lebensmitteln ihren charakteristischen Geschmack oder ihre typische Farbe, etwa das Röstaroma von Zwieback oder die appetitliche Bräunung von Nuggets. Gleichzeitig können dabei jedoch Substanzen entstehen, die mit gesundheitsschädlichen Wirkungen in Verbindung gebracht werden. Dazu zählen insbesondere:
- Acrylamid, eine als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestufte Substanz, die in frittierten oder gegrillten Produkten vorkommen kann (Chips, Kekse, Kaffee usw.)43,44;
- PAK (polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe), die insbesondere bei Garprozessen mit hohen Temperaturen und beim Räuchern entstehen und von denen einige krebserregend sind45,46;
- Nitrosamine, eine Stoffgruppe, von der einige Vertreter als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft sind und die sich in einigen nitrithaltigen Wurstwaren bilden können47,48;
- Glycidol, das als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft ist, sowie 3-MCPD, das als „möglicherweise krebserregend“ gilt. Beide Stoffe können bei der Desodorierung pflanzlicher Öle unter hohen Temperaturen entstehen. Solche Öle werden häufig in hochverarbeiteten Lebensmitteln eingesetzt49;
- 4-MEI, eine als „möglicherweise krebserregend“ eingestufte Substanz, die insbesondere bei der Herstellung bestimmter Karamellfarbstoffe entsteht50.
Diese Kontaminanten sind nicht ausschließlich ein Problem der Industrie: Einige von ihnen, wie PAK oder Acrylamid, können auch zu Hause bei zu starker Erhitzung entstehen, etwa wenn Brot oder Fleisch stark gebräunt werden oder beim Grillen. Andere sind hingegen stärker mit industriellen Verfahren verbunden, beispielsweise mit der Raffination pflanzlicher Öle (3-MCPD, Glycidol), der Herstellung von Wurstwaren (Nitrosamine) oder mit der Herstellung bestimmter Zusatzstoffe wie Karamellfarbstoffen (4-MEI).
Kontaminanten aus Verpackungen
Hochverarbeitete Lebensmittel sind häufig auf eine lange Haltbarkeit ausgelegt. Deshalb werden sie in komplexen Verpackungen angeboten, die aus Kunststoffen, Druckfarben und Klebstoffen bestehen und ihrerseits unerwünschte Substanzen enthalten können. Einige dieser Stoffe können aus der Verpackung in das Lebensmittel übergehen. Dieser Vorgang wird als Migration bezeichnet.
Mehrere Faktoren begünstigen dieses Phänomen: eine lange Lagerdauer, das Erhitzen des Produkts in seiner Verpackung oder auch der Fettgehalt des Lebensmittels, der den Übergang bestimmter Verbindungen erleichtert51,52.
Zu den wichtigsten betroffenen Kontaminanten zählen insbesondere:
- Phthalate und Bisphenole, die in bestimmten Kunststoffen verwendet werden und von denen mehrere als nachgewiesene oder vermutete endokrine Disruptoren gelten (siehe unseren Artikel zu endokrinen Disruptoren)53,54;
- Mineralöle (MOSH und MOAH), die insbesondere aus Druckfarben und Klebstoffen von Verpackungen stammen und von denen einige als genotoxisch und krebserregend gelten oder die Entwicklung des Fötus schädigen können55,56;
- Mikro- und Nanoplastik, winzige Partikel, die sich von Verpackungen lösen und in Lebensmittel übergehen können57.
Mehrere Studien deuten darauf hin, dass Personen, die mehr hochverarbeitete Lebensmittel konsumieren, höhere Konzentrationen einiger dieser Kontaminanten im Körper aufweisen.
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- ⁵⁵ EFSA CONTAM Panel, Schrenk, D., Bignami, M., Bodin, L., del Mazo, J., Grasl-Kraupp, B., Hogstrand, C., Hoogenboom, L., Leblanc, J.C., Nebbia, C.S., Nielsen, E., Ntzani, E., Petersen, A., Sand, S., Schwerdtle, T., Vleminckx, C., Wallace, H. et al., 2023. Update of the risk assessment of mineral oil hydrocarbons in food. EFSA Journal, 21(9), 8215. https://doi.org/10.2903/j.efsa.2023.8215
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